Wenn sich bei uns zuhau­se die Natur auf den kal­ten Win­ter ein­stellt und wir mit einer Tas­se war­mem Tee vor dem Kamin sit­zen, ist auf Mau­ri­ti­us gera­de Hoch­som­mer. Doch auch hier wird Weih­nach­ten gefei­ert. Fes­ter Bestand­teil der Weih­nachts­zeit ist der Flam­boyant, der Flam­men­baum.

Flam­men­baum in schöns­ter Blü­te
Vor­weih­nachts­zeit auf Mau­ri­tius
Von Ant­je All­rog­gen

Die Christ­bäu­me sind rot mit allem Mög­li­chen bela­den, dadurch bin ich auf die­se Flam­boyants gekom­men in Mau­ri­ti­us. Das ist wirk­lich die Brü­cke ein biss­chen. Und an Weih­nach­ten war in mei­ner Kind­heit immer alles rot deko­riert. Rote Christ­baum­ku­geln, rote Ker­zen und alles Mög­li­che. Und es berührt mich schon, denn es stimmt, es kommt aus mei­ner Kind­heit, und da ich schon seit 13 Jah­ren jetzt in Mau­ri­ti­us lebe, erin­nern mich die Flam­boyants, die­se Flam­men­bäu­me, sehr dar­an. Und jedes Mal, wenn ich über die Insel fah­re und sehe die­se Bäu­me, bin ich immer erstaunt, dass es so was gibt über­haupt. So einen Rie­sen­baum, rot, rot über­all, dann halt ich mein Auto an und schau mir die­se Blu­men­pracht an und den­ke, wie kann die Natur so was machen, so was Schö­nes, ja. Und es ist jedes Mal eine Freu­de für mich.”

Die deutsch­stäm­mi­ge Bri­git­te Charoy. Vor­her als freie Desi­gne­rin in Paris tätig, lebt sie seit 1998 auf Mau­ri­ti­us und ent­wirft von dort aus eige­ne Krea­tio­nen. Eine Mischung aus ele­gan­ten Klei­dern im Hip­pie-Stil und indi­schem Chic.

Wenn der Flam­men­baum blüht. Ein Gedicht von Made­moi­sel­le Mer­cier, das in einer ver­ges­se­nen Schub­la­de schlum­mer­te:

Der Som­mer hat sich plötz­lich auf den Fel­dern und in den Ebe­nen breit gemacht.
Die Stra­ße, die sich an unse­ren Bächen ent­lang­schlän­gelt und end­los von grü­nem Zucker­feld beglei­tet wird, ist nicht län­ger als ein Blu­men­band, das die Bri­se von den in der Son­ne schim­mern­den Bäu­men gelöst hat. Die Blü­ten eines Oran­gen­baums mischen sich mit einem sat­ten Rot, das aus den schwe­ren Baum­zwei­gen her­aus bricht.

Freun­de sol­len in unser ent­fern­tes Land kom­men und mit unse­ren fro­hen Kin­dern gemein­sam sin­gen.
Jetzt ist die Zeit des blü­hen­den Flam­men­baums da!
Weit ent­fernt von der gehetz­ten Welt, des­sen Echo in unse­ren gol­de­nen Flüs­sen erstickt.
Mau­ri­ti­us, Insel der Zyklo­nen, die sich Platz zwi­schen den grü­nen Lagu­nen sucht.”

Eines Tages befand ich mich unter einem Flam­men­baum. Die Son­ne schien kräf­tig, ich hat­te unter dem Baum einen Fle­cken Schat­ten als Unter­schlupf gesucht. Eine klei­ne Bri­se weh­te, und die Blü­ten des Flam­men­baums sind wie Kon­fet­ti um mich her­um geflo­gen. Fas­zi­niert davon blieb ich ste­hen. Die­ses Bild im Kopf ließ mich nicht mehr los. Ich nahm es mit nach Hau­se, bis eine Weih­nachts­ge­schich­te dar­aus ent­stand.”

Amar­nath Hosa­ny, Kin­der­buch­au­tor der Weih­nachts­ge­schich­te über den Flam­men­baum. Ein Aus­zug:

Auf dem Rück­weg von sei­ner Schu­le mach­te Tian an einem Flam­men­baum Halt. Er wisch­te sich den Schweiß von der Stirn und stöhn­te ein wenig. Von der Schön­heit die­ses Baums über­wäl­tigt, lehn­te sich der Jun­ge an sei­nen Stamm und nahm eini­ge Blü­ten­blät­ter in sei­ne Hand. Der Son­nen­schirm-Baum bot dem Rei­sen­den einen wun­der­ba­ren Platz im Schat­ten. Sei­ne Blü­ten­blät­ter umspiel­ten sei­ne Füße und bil­de­ten einen schim­mern­den Tep­pich. Tian war fas­zi­niert von die­sem Natur­schau­spiel.”

Ist das für Sie auch inspi­rie­rend?

Natür­lich ist es inspi­rie­rend, auch von den Far­ben her. Wis­sen Sie, die gan­zen Far­ben, die man bei den Blu­men und Bäu­men fin­det, für mei­ne Kol­lek­tio­nen, die ich mache, ist das sehr wich­tig. Denn es passt genau zu einem Land, es ist dau­ernd son­nig, es ist dau­ernd wun­der­schön, das ist sehr, sehr wich­tig. Und manch­mal ist es auch so, wenn man durch die Gegend fährt, sieht man plötz­lich einen Baum, und in dem Baum, das ist ein Para­sit im Grun­de, eine ande­re Pflan­ze mit ner Blü­te, ja, das ist alles. Als hät­te es jemand gemacht zum Deko­rie­ren.”

“Oh Du duf­ten­des Land, von dem Bau­de­lai­re einst gesun­gen hat!
Wenn die Zeit Dei­ner Baum­blü­te gekom­men ist, haben uns im Wind und bei Son­nen­schein auf unse­ren Wegen die Blu­men des Flam­men­baums zuge­lä­chelt.”

Wenn Sie sich den Flam­men­baum betrach­ten, sehen Sie kei­ne Blät­ter, son­dern nichts als Blu­men. Er sieht wirk­lich wie ein Tep­pich aus, wie ein Man­tel, rotes Feu­er. Und wenn Sie ihn jetzt von ganz Nahem betrach­ten, wer­den Sie sehen, dass die Blü­ten­blät­ter des Flam­men­baums sich ein biss­chen samt­ar­tig anfüh­len. Das ist es, was mich an die­sem Baum so fas­zi­niert und jeden ande­ren auch. So ist es mit dem Flam­men­baum. Er sym­bo­li­siert schlicht und ein­fach: das Glück!”

“Das ist ein Geheim­nis!”

, sagt Tian in dem Kin­der­buch über den Flam­men­baum.

“Du darfst es kei­nem wei­ter­sa­gen”

Über die Autorin:

Ant­je All­roggen hat an den Uni­ver­sitäten Bonn und Nan­cy (Frankre­ich) Kun­st­geschichte, Philoso­phie und Kom­para­tis­tik stu­diert. Seit dem Jahr 2000 arbei­tet sie als Kul­tur– und Reise­jour­nal­istin für diver­se ARD-Hör­funk­an­stal­ten, vor allem für den Deutsch­land­funk. Jour­nal­is­tis­che Stipen­dien führ­ten sie unter ande­rem nach Marok­ko und an die Duke Uni­ver­sity in North Car­olina / USA. Mit ihrem Mann und ihren bei­den Töch­tern (zwei und acht Jah­re) lebt sie für ein Jahr in Grand Baie/ Mau­ri­ti­us. Vie­len Dank an Frau All­roggen und den Deutsch­land­funk, die uns erlau­ben, die großar­ti­gen Geschich­ten und Bei­träge für unse­re Leser zu ver­öf­fent­li­chen!