Seit ihrem Urlaub 2001 ist Anke Schlin­ge­mann ein gro­ßer Mau­ri­ti­us-Fan. In ihrem aus­führ­li­chen Rei­se­be­richt malt sie uns ein ehr­li­ches und fas­zi­nie­ren­des Bild von ihrer Rei­se und ver­mit­telt Vor­freu­de auf den eige­nen Besuch. Wun­der­bar geschrie­ben mit vie­len Tipps und Anre­gun­gen.

Mau­ri­ti­us — Insel am Wen­de­kreis des Stein­bocks

All­ge­mei­nes

Im indi­schen Oze­an, ca. 900 km öst­lich von Mada­gas­kar liegt zwi­schen dem 20. und 21. Brei­ten­grad die Insel­grup­pe der Repu­blik Mau­ri­ti­us. Mit 1865 qkm (ca. 64 km lang und 47 km breit) ist Mau­ri­ti­us ‑obwohl tou­ris­tisch wei­ter erschlos­sen- um etwa 30 % klei­ner als La Reuni­on.

Mit der Inbe­sitz­nah­me durch Nie­der­län­der wur­de 1638 auf Mau­ri­ti­us die Plan­ta­gen­wirt­schaft und damit ver­bun­den die Skla­ve­rei ein­ge­führt. Die benö­tig­ten Arbeits­kräf­te wur­den auf den Skla­ven­märk­ten von Mosam­bi­que, San­si­bar und den Komo­ren gekauft. Im 18. Jh. über­nah­men die Fran­zo­sen die Kolo­nie. Mit der Über­nah­me der Ver­wal­tung durch die bri­ti­sche Kro­ne und die Abschaf­fung der Skla­ve­rei wur­den als Ersatz indi­sche Lohn­ar­bei­ter nach Mau­ri­ti­us gebracht. Die eng­li­sche Herr­schaft währ­te von 1810 bis zur Unab­hän­gig­keit 1968. 1992 wur­de die Repu­blik Mau­ri­ti­us gegrün­det.

Rund 70 % der rund 1,1 Mio. Ein­woh­ner ist indi­scher Abstam­mung und gehört über­wie­gend dem Hin­du­is­mus sowie zu einem klei­nen Teil dem Islam an. Die Kreo­len (ca. 300.000) — Nach­kom­men euro­päi­scher und afri­ka­ni­scher Ein­wan­de­rer — sowie die Fran­comau­ri­tier (ca. 20.000) sind römisch-katho­lisch. Die Mau­ri­tier chi­ne­si­scher Her­kunft (ca. 30.000) sind Bud­dhis­ten.

Neben der Amts­spra­che Eng­lisch wird auf Mau­ri­ti­us Creo­le ‑ein vom Fran­zö­si­schen abstam­men­des Idi­om- gespro­chen. Fran­zö­sisch gilt als Spra­che der fran­zö­si­schen Ober­schicht.

Das Kli­ma auf der Insel ist sehr unter­schied­lich. Die fla­che Nord­spit­ze ist regen­arm wohin­ge­gen die höhe­ren Regio­nen und der Süden häu­fig von Regen­wol­ken ein­ge­hüllt sind. Das gan­ze Jahr über weht eine gleich­mä­ßi­ge Bri­se aus Süd­os­ten. In den Mona­ten Janu­ar bis März wird der Indi­sche Oze­an von Zyklo­nen heim­ge­sucht. Der mau­ri­tia­ni­sche Win­ter mit Tages­tem­pe­ra­tu­ren von 25 Grad Cel­si­us ist Neben­sai­son und stellt sich als äußerst ange­neh­me Rei­se­zeit dar, zumal die tro­pi­schen Nie­der­schlä­ge im Juni wesent­lich gerin­ger sind als in der Haupt­sai­son. Eini­ge Ein­ge­wöh­nungs­zeit bedarf es zuge­ge­be­ner­ma­ßen, in Deutsch­land die sich annä­hern­den längs­ten Tage genos­sen zu haben und die Tages­ak­ti­vi­tä­ten nun auf die Zeit von 6:00 bis 18:00 Uhr (mau­ri­tia­ni­scher Som­mer: 5:00 bis 19:00 Uhr) zu beschrän­ken. An der stür­mi­schen Ost­küs­te in Trou d’Eau Douce ver­brin­gen wir die lau­en Win­ter­aben­de bei 20 Grad Cel­si­us mit einem Sweat­shirt auf dem Appar­te­ment- Bal­kon und genie­ßen den Blick aufs Meer.

Mau­ri­ti­us ist fast kom­plett von Koral­len­rif­fen umge­ben, die die Wucht der Bran­dung Hun­der­te von Metern vor der Küs­te bre­chen und seich­te Lagu­nen bil­den. Ursprüng­lich war Mau­ri­ti­us von dich­tem tro­pi­schen Regen­wald bewach­sen, in dem sich rie­si­ge Hart­höl­zer von her­vor­ra­gen­der Qua­li­tät befan­den. Lei­der wur­de Raub­bau mit Ein­tref­fen der Nie­der­län­der auf Mau­ri­ti­us betrie­ben. Nach­dem die alten Eben­höl­zer abge­holzt waren, pflanz­te man Nutz­höl­zer und Zier­pflan­zen, die aus Indi­en, Indo­ne­si­en, Kenia, Mada­gas­kar und ande­ren afri­ka­ni­schen Län­dern stamm­ten. Die meis­ten Gewäch­se, die heu­te auf Mau­ri­ti­us zu fin­den sind, sind ein­ge­führt wor­den. 4 % der Land­flä­che ste­hen mitt­ler­wei­le unter Natur­schutz. In den Natio­nal­parks ver­sucht man die ursprüng­li­che Vege­ta­ti­on zu erhal­ten und auf­zu­fors­ten.

Etwa 50 % der Gesamt­ober­flä­che (80 % der Nutz­flä­che) von Mau­ri­ti­us wird von Zucker­rohr, dem wich­tigs­ten Devi­sen­brin­ger, bedeckt ‑auch weil die­se Pflan­ze den Zyklo­nen stand­hält. Wei­te­re Devi­sen wer­den durch die Fabri­ka­ti­on von Tex­ti­li­en und den Tou­ris­mus erbracht. Die Arbeits­lo­sen­quo­te liegt bei nur 2,5%. Der Groß­teil der benö­tig­ten Waren muss impor­tiert wer­den. Gera­de mal der Kar­tof­fel­an­bau sowie eini­ge ande­re Gemü­se­sor­ten und Tee reicht mitt­ler­wei­le für die mau­ri­tia­ni­sche Bevöl­ke­rung. Auch die Geflü­gel­zucht ist erfolg­reich, wohin­ge­gen der Fisch­fang gera­de ein­mal ein Fünf­tel des Bedarfs deckt. Nahe­zu ein Vier­tel des Gesamt­im­ports besteht aus Nah­rungs­mit­teln, sogar das Grund­nah­rungs­mit­tel Reis sowie Milch und Mehl müs­sen teu­er impor­tiert wer­den.

Unter­kunft: Wir haben uns für ein Appar­te­ment in Trou d’Eau Douce, im win­di­gen Osten von Mau­ri­ti­us gele­gen, ent­schie­den. Das Appar­te­ment, das wir über das Inter­net gebucht haben, ist mal wie­der eine äußerst posi­ti­ve Über­ra­schung. Die aus­ge­prie­se­nen 70 qm erschei­nen uns wesent­lich grö­ßer. Es ist nett und prak­ti­ka­bel ein­ge­rich­tet, die zwei Bal­ko­ne ‑einer für das son­ni­ge Früh­stück, einer für den plät­schern­den Meer­blick- sind geni­al.

Der Lebens­mit­tel­ein­kauf stellt sich aller­dings als müh­se­lig her­aus, da es in Trou d’Eau Douce nur klei­ne “Tan­te Emma”-Läden gibt, die alle in etwa das Glei­che zu bie­ten haben. An fri­sche Milch­pro­duk­te, Back­wa­ren, Fleisch oder Fisch ist nicht zu den­ken. Dafür sta­peln sich Kon­ser­ven­do­sen in den Rega­len. Alle uns bekann­ten Pro­duk­te schei­nen einen drei­fa­chen Tou­ri- Auf­schlag zu haben. Zum Glück fin­den wir noch eine klei­ne Gemü­se­aus­wahl ‑und natür­lich herr­lich lecke­re Papa­yas und Ana­nas- an einem Gemü­se­stand. Einen grö­ße­ren Super­markt gibt es in Grand Baie ‑die Prei­se sind dem tou­ris­tisch stark erschlos­se­nen Nor­den der Insel ange­passt. Ver­hun­gern muss­ten wir glück­li­cher­wei­se nicht, denn in Trou d’Eau Douce gibt es bei Chez Tino — gute kreo­li­sche Haus­manns­kost zu güns­ti­gen Prei­sen.

Auto­fah­ren auf Mau­ri­ti­us ist eine wah­re Her­aus­for­de­rung. Abge­se­hen davon, dass ein Miet­wa­gen der kleins­ten Kate­go­rie (der vor­her nie gehör­ten ver­mut­lich malai­schen Mar­ke Kan­cil) für nor­mal­wüch­si­ge Euro­pä­er eine Zumu­tung ist (da sich der Fah­rer­sitz nur sehr ein­ge­schränkt nach hin­ten schie­ben lässt, sitzt man mit­un­ter wie ein “Affe auf einem Schleif­stein” hin­ter dem Lenk­rad) herrscht auf Mau­ri­ti­us Links­ver­kehr. Laut unse­rem Rei­se­füh­rer gibt es (nur) 100.000 Fahr­zeu­ge auf Mau­ri­ti­us — die­se schei­nen jedoch stän­dig im Ein­satz zu sein oder ste­hen par­kend an der schma­len Haupt­stras­se. Geh­stei­ge gibt es so gut wie kei­ne, so dass die schma­len Stras­sen zusätz­lich von der ein­hei­mi­schen Bevöl­ke­rung genutzt wer­den. Bei einem Schwätz­chen auf der Stras­se schei­nen die vor­bei­fah­ren­den Autos nicht zu stö­ren. Neben schlech­ten Stra­ßen­zu­stän­den feh­len auch die hals­bre­che­risch fah­ren­den Motor­rol­ler nicht. Ohne Hupe (übri­gens das ers­te, was uns vom Miet­wa­gen­ver­lei­her gezeigt wur­de) soll­te man sich erst gar nicht hin­ter das Lenk­rad set­zen. Zu Bemän­geln ist eben­falls die mehr als unzu­rei­chen­de Beschil­de­rung. Wenn es Schil­der gibt, sind die­se in der Regel ver­bli­chen, ver­steckt oder schlicht­weg irre­füh­rend. Es gibt zwar nicht sehr vie­le Stra­ßen auf Mau­ri­ti­us, den­noch sind die­se auf der Kar­te des Miet­wa­gen­ver­lei­hers nicht immer ganz kor­rekt ein­ge­zeich­net. Also — eine wah­re Her­aus­for­de­rung!

Trotz­dem möch­ten wir die­se Fahr­ten nicht mis­sen. Stän­dig fah­ren wir über schma­le Stra­ßen, die von bei­den Sei­ten von bis zu 2,5 m hohem Zucker­rohr ein­ge­zäunt sind. Wer­den die Blü­ten des Zucker­rohrs von der Son­ne ange­strahlt, so leuch­ten sie sil­bern. Oft­mals kom­men uns Fahr­rad- oder Rol­ler-Fah­rer ent­ge­gen (oder müs­sen über­holt wer­den), die mit Zucker­rohr hoch bela­den sind.

Sta­tio­nen unse­rer Rund­rei­se

Der Nor­den: Bota­ni­scher Gar­ten Pample­m­ous­ses — Petit Gamin — Trio­let — Trou aux Biches — Mahes­war­nath-Tem­pel — Grand Baie

Der Bota­ni­sche Gar­ten von Pample­m­ous­ses gehört zurecht zu den High­lights von Mau­ri­ti­us. Der Ein­gang wird von einem kunst­vol­len schmie­de­ei­ser­nen Tor geschmückt, das 1862 eigens nach Lon­don geschafft und dort auf der Welt­aus­stel­lung aus­ge­zeich­net wur­de. Auf 93 ha fin­det man tro­pi­sche Pflan­zen aus Indi­en, Chi­na, Phil­ip­pi­nen. Die See­ro­se (Vic­to­ria ama­zo­ni­ca) ist sehr beein­dru­ckend. Ihre Blät­ter mit bis zu 1 Meter Durch­mes­ser kön­nen angeb­lich sogar ein Baby tra­gen. Der Park gehört mit sei­nen über 500 veschie­de­nen Pflan­zen zu den arten­reichs­ten tro­pi­schen Gär­ten auf der Erde. Allein 80 Pal­men­ar­ten ‑nahe­zu alle exis­tie­ren­den- sind hier zu sehen. In der Park­mit­te steht das nicht zu besich­ti­gen­de Schlöss­chen Mon Plai­sir, das unter Denk­mal­schutz steht. Auf dem Gelän­de gibt es eben­falls ein Gehe­ge mit Rie­sen­schild­krö­ten, die von der Insel Ald­abra stam­men.

Dem Haupt­ein­gang gegen­über befin­det sich die ältes­te Kir­che von Mau­ri­ti­us St-Fran­cois d’As­si­si, die 1756 erbaut wur­de. Vol­ler Über­ra­schung ent­de­cken wir hin­ter der Kir­che das “Cafe Vien­na”. Im Gar­ten des Cafes genie­ßen wir einen aus­ge­zeich­ne­tes Stück Kuchen.

Auf dem nahe­ge­le­ge­nen Küs­ten­ab­schnitt zwi­schen Petit Gamin und Trou aux Biches fin­det man schö­ne lan­ge Sand­strän­de. Die an den Strän­den für ver­tret­ba­re Prei­se ange­bo­te­ne Fahrt mit einem Glas­bot­tom-Boot lohnt sich. Wäh­rend der ein­stün­di­gen Fahrt zum Riff sieht man schö­ne Koral­len und vie­le — manch­mal auch far­ben­fro­he — Fische.

Der Ort Trio­let wird fast aus­schließ­lich von Hin­dus bewohnt und ist ein Zen­trum des hin­du­is­tisch reli­giö­sen Lebens. An der Zufahrts­stras­se von Trou aux Biches liegt der Mahes­war­nath-Tem­pel — die größ­te hin­du­is­ti­sche Tem­pel­an­la­ge auf Mau­ri­ti­us. Um den Ende des 19. Jh. errich­te­ten Haupt­tem­pel ent­stan­den klei­ne far­ben­präch­ti­ge üppig deko­rier­te Schrei­ne, die Vish­nu, Shi­va, Krish­na, Gane­sha und ande­ren Gott­hei­ten gewid­met sind.

Wer sich die Tou­ri-Cen­tren anse­hen möch­te kann einen Abste­cher nach Grand Baie machen.

Der Osten: Trou d‘Eau Douce — Ile aux Cerfs — Ile de l‘Est — Moun­tains Bam­bous — Domain des Grands Bois / Domain de Cas­seur — Domain d’Ylang Ylang — Le Val

Trou d‘Eau Douce ist ein klei­nes, eher ver­schla­fen wir­ken­des Städt­chen an einer schö­nen Lagu­ne gele­gen. Von Trou d‘Eau Douce aus kann man sich für 100 Rupi­en mit einem Boot zur vor­ge­la­ger­ten Insel Ile aux Cerfs über­set­zen las­sen. Die Über­fahrt dau­ert ‑je nach Tide- ca. 20–30 Minu­ten. Dicht unter der Was­ser­ober­flä­che sind ver­ein­zelt Koral­len zu sehen, so dass das Boot stre­cken­wei­se sehr vor­sich­tig manö­vriert wer­den muss.

Zur Nach­bar­in­sel Ile de l‘Est kann man schwim­men, die bei­den Inseln tren­nen nur weni­ge Meter von­ein­an­der, aller­dings ist die Strö­mung hier sehr stark und natür­lich gibt es Koral­len. Die Insel ist ein Bade­pa­ra­dies. Wer den Rum­mel an den Boots­an­le­ge­stel­len und den vom Luxus­ho­tel Touress­ok betrie­be­nen Gas­tro­no­mie­be­trie­ben mei­den möch­te, der soll­te an der Ost­sei­te der Insel lang­wan­dern und kann herr­li­che ein­sa­me Strän­de fin­den und nach schö­nen Muscheln suchen. Eine Gesamt­um­run­dung gelingt man­gro­ven­be­dingt lei­der nicht, aber am Ende des begeh­ba­ren Teils war­ten geschäfts­tüch­ti­ge Skip­per auf die müden Tou­ris­ten, um sie für einen über­höh­ten Preis zum Aus­gangs­punkt zurück­zu­schip­pern.

Auf der Küs­ten­stra­ße wei­ter nach Osten gelangt man über einen Schot­ter­weg durch Zucker­rohr­plan­ta­gen zu den Moun­tains Bam­bous. Die Domain des Grands Bois, auch Domain de Cas­seur genannt ist ein 2.000 ha gro­ßer auf 300 bis 500 m Höhe lie­gen­der Natur­park. Der Park ist ein Jagd- und Wan­der­ge­biet. Ide­al auch für 4WD-Tou­ren. Von dem Pan­ora­ma-Restau­rant hat man einen phan­tas­ti­schen Blick auf die Lagu­ne.

Ein Abste­cher zur Domain d’Ylang Ylang ist auf jeden Fall loh­nens­wert. Es gibt dort eine klei­ne Destil­le­rie, in der auf his­to­risch anmu­ten­den Gerät­schaf­ten ver­schie­de­ne Par­füm­öle ‑u.a. das sel­te­ne und kost­ba­re Ylang Ylang-Öl — her­ge­stellt wer­den. Wäh­rend einer kur­zen Füh­rung wird der müh­sa­me Pro­duk­ti­ons­pro­zeß erklärt. 15.000 Ylang Ylang-Bäu­me wur­den für die Par­füm­öl-Pro­duk­ti­on gepflanzt. Der Gang durch die angren­zen­den Pflan­zun­gen ist sehr inter­es­sant. Bei­spiels­wei­se ent­de­cken wir einen Zimt­baum und wis­sen nun, dass Zimt von den getrock­ne­ten Blät­tern die­ses Bau­mes her­ge­stellt wird.

Ein wei­te­res Natur­er­leb­nis bie­tet Le Val. In die­sem Natur­park sind neben einem Leo­par­den, Rie­sen­schild­krö­ten und Affen auch die unter­schie­dichs­ten Pflan­zen zu sehen. Außer­dem gibt es rie­si­ge Anthu­ri­en-Gewächs­häu­ser, Papa­ya-Bäu­me, Kaf­fee-Bäu­me, Kres­se­fel­der, Bana­nen-Plan­ta­gen, Fisch­zucht-Becken und vie­les mehr.

Der Süden: Mahe­bourg — Blue Bay — Ile aux Aigret­te — Le Souf­fleur — Cap Le Gris Gris — La Roche Qui Pleu­re — Le Mor­ne Bra­bant — Ile aux Beni­tiers — Piton de la Peti­te Rivie­re Noi­re — Black River Gor­ges Natio­nal Park — Cha­ma­rel-Was­ser­fäl­le — Ter­res des Cou­leurs

Die ehe­ma­li­ge Hafen­stadt Mahe­bourg hat wei­test­ge­hend an Bedeu­tung ver­lo­ren. Den­noch lohnt sich ein klei­ner Bum­mel durch die Stadt, in der uns fast aus­schließ­lich Ein­hei­mi­sche begeg­nen. Die Zufahrt führt über eine Brü­cke, von der sich in bei­de Rich­tun­gen schö­ne Aus­bli­cke bie­ten.

Süd­lich von Mahe­bourg führt die Küs­ten­stra­ße zur Blue Bay mit schö­nen ‑aber schma­len- Sand­strän­den. Die vor­ge­la­ger­te Insel Ile aux Aigret­te steht unter Natur­schutz. An einem win­ter­li­chen Sonn­tag sind hier kaum Tou­ris­ten, dafür aber vie­le ein­hei­mi­sche Fami­li­en, um bei einem küh­len Bad oder Pick­nick das Leben zu genie­ßen. Der Flug­ha­fen ist ganz in der Nähe. Mit etwas Glück kann man eine Boing 747, die direkt über der Lagu­ne abzu­he­ben scheint, star­ten sehen.

Ein sehr schö­nes Natur­schau­spiel ist an den Fel­sen von Le Souf­fleur zu bewun­dern. Die Bran­dung ist so stark, dass sich meter­ho­he Was­ser­fon­tä­nen an den schwar­zen Lava­fel­sen bil­den.

Einen wei­te­ren, aber etwas weni­ger spek­ta­ku­lä­ren Aus­sichts­punkt fin­det man am Cap Le Gris Gris und dem Fel­sen La Roche Qui Pleu­re, dem wei­nen­den Fel­sen.

Der Roches­ter Fall, den man von Suri­nam erreicht, ist zwar eben­falls nicht beson­ders spek­ta­ku­lär, mit etwas Glück fin­det man jedoch einen Gui­de, der einem zum bes­ten Blick durch ein Zucker­rohr­feld führt. Dabei wird einem Zucker­rohr­saft gezeigt und zum Trin­ken gereicht. Auch die Vor­füh­rung der Reak­ti­on eines Mimo­sen­ge­wäch­ses ist im (selbst­ver­ständ­lich frei­wil­lig zu ent­rich­ten­den) Preis ent­hal­ten.

Die wenig tou­ris­tisch erschlos­se­ne Küs­ten­stre­cke (der Süden ist feuch­ter und reg­ne­ri­scher) bie­tet unter­schied­li­che Ein­bli­cke. Es gibt schö­ne, wei­ße Sand­strän­de und schrof­fe Fels­for­ma­tio­nen. Der Blick auf Le Mor­ne Bra­bant, ein fast 600 m hoher Fel­sen auf der süd­west­li­chen Halb­in­sel ist spek­ta­ku­lär. Ein kur­zer Abste­cher auf die Halb­in­sel lohnt sich. Es gibt schö­ne Sand­strän­de, die vom Pro­fil des Le Mor­ne ein­ge­rahmt wer­den. Außer­dem konn­ten wir dem Auf­bau einer neu­en Hotel­an­la­ge bei­woh­nen und zuse­hen, wie Dächer mit Kokos­pal­men­we­del gedeckt, Son­nen­schir­me gefloch­ten und Pal­men ver­setzt wur­den. Man konn­te, da ein klei­ner Bereich schon ziem­lich fer­tig war, schon erah­nen, dass es ein­mal eine ganz net­te Hotel­an­la­ge wer­den wür­de.

Fährt man die Küs­ten­stras­se wei­ter Rich­tung Nor­den hat man einen schö­nen Blick auf die Ile aux Beni­tiers und ins Lan­des­in­ne­re auf den Piton de la Peti­te Rivie­re Noi­re (828 m) — den höchs­ten Gip­fel auf Mau­ri­ti­us.

Bei Grand Casa Noya­le geht die Stra­ße zum Black River Gor­ges Natio­nal Park ab. Zunächst erreicht man die Cha­ma­rel-Was­ser­fäl­le, die fast 90 m tief hin­ab­stür­zen. Etwas wei­ter liegt Ter­res des Cou­leurs — ein von Wis­sen­schaft­lern nicht zu erklä­ren­des Natur­schau­spiel. Ein vege­ta­ti­ons­lo­ses Stück Erde, dass merk­wür­dig zer­klüf­tet ist und in ver­schie­de­nen Tönen von fast Schwarz über Ocker bis hin zu Gelb und Rot schim­mert.

Im Pan­ora­ma-Restau­rant “La Var­an­gue sur Mor­ne” kann man bei tou­ris­ti­schen Prei­sen den schö­nen Aus­blick auf den Le Mor­ne Bra­band und die Lagu­nen genie­ßen.

Ein Blick in die Schlucht des Black River und auf die Alex­an­dra-Was­ser­fäl­le bie­tet sich von der Aus­sichtts­platt­form.

Der Black River Gor­ges Natio­nal Park steht unter Natur­schutz. Ursprüng­li­cher Urwald hat sich hier erhal­ten.

Unse­re von Le Petrin aus geplan­te ‑und für die­sen fast wol­ken­frei­en Tag opti­ma­le Wan­de­rung- ver­läuft auf­grund (wie könn­te es such anders sein) feh­len­der Aus­schil­de­run­gen eher unbe­frie­di­gend. Ein kur­zer hals­bre­che­ri­scher Abste­cher in den ursprüng­li­chen Wald gibt uns einen klei­nen Ein­blick in die viel­fäl­ti­ge Vege­ta­ti­on.

Einen kur­zen Halt machen wir noch Gran­de Bas­sin. An die­sem hei­li­gen See (da einer Sage nach Gan­ges­was­ser hier­her trans­por­tiert wor­den sei) der Hin­dus fin­den im Febru­ar und März Zere­mo­nien statt, die wir nur schwer­lich erah­nen kön­nen.

Der Wes­ten: Cur­epipe — Port Lou­is — Case­la Bird Park — Baie du Tama­rin

Aus dem Osten kom­mend fährt man am schnells­ten über Quar­tier Mili­taire in den Wes­ten. Bei einem klei­nen Abste­cher nach Cur­epipe kann man den erlo­sche­nen 85 m tie­fen Kra­ter mit einem Durch­mes­ser von 200 m besich­ti­gen. Wer aller­dings einen spek­ta­ku­lä­ren Vul­kan­kra­ter erwar­tet, ist hier falsch auf­ge­ho­ben. Der Kra­ter wirkt eher wie ein grü­ner, klei­ner Tal­kes­sel. Angeb­lich ist der Kra­ter mit dem noch akti­ven Piton de la Four­nai­se auf Reuni­on ver­bun­den. Soll­te die­ser ein­mal ver­stop­fen, könn­te es auch auf Mau­ri­ti­us wie­der zu Vul­kan­aus­brü­chen kom­men (aller­dings erst in hun­der­ten von Jah­ren). Schön ist der Aus­blick von der Aus­sichts­platt­form auf die West­küs­te.

Die angeb­lich an Hong Kong erin­nern­de Haupt­stadt Port Lou­is liegt, von Ber­gen ein­ge­rahmt, an der West­küs­te. 15 % der Bevöl­ke­rung leben in die­ser kon­trast­rei­chen Stadt. Eini­ge weni­ge, moder­ne Hoch­häu­ser sind umge­ben von zum Teil sehr stark ver­fal­le­nen kreo­li­schen Häu­sern.
Auch wenn es weni­ge Bau­denk­mä­ler gibt, soll­te man einen kur­zen Stadt­rund­gang machen, um einen Ein­druck vom Leben der Ein­hei­mi­schen zu gewin­nen. Ein Park­haus ist an der Cau­dan Water­front zu fin­den. Das Gebäu­de erin­nert an einen ehe­ma­li­gen Spei­cher — die spi­ral­för­mi­gen Rut­schen (ver­mut­lich um Ware direkt auf einen dar­un­ter­ste­hen­den LKW zu laden) unter­strei­chen die­sen Ein­druck.
Von der neu ange­leg­ten Cau­dan Water­front gelangt man durch eine Unter­füh­rung in den leb­haf­ten Teil der Stadt auf der ande­ren Stra­ßen­sei­te. Die Stadt ist ange­rei­chert mit vie­len klei­nen Läden, die zum größ­ten Teil wenig ein­la­dend sind.
In den Markt­hal­len bie­tet sich ein tur­bu­len­tes Bild. Ange­bo­ten wer­den Gemü­se- und Obst­sor­ten, Gewür­ze, Korb­wa­ren, Stof­fe, Tex­ti­li­en und sehr viel Schnick­schnack, der uns schon bei ande­ren Tou­ri-Sites begeg­net ist. In der Neben­sai­son sind zwar kaum Tou­ris­ten dort — aber man scheint dar­auf bes­tens vor­be­rei­tet zu sein. Lei­der wird man natür­lich auch direkt als Tou­rist erkannt und stän­dig dazu ani­miert, die ange­bo­te­nen Waren näher zu betrach­ten.
Das angren­zen­de Chi­ne­sen­vier­tel ist eben­falls einen Besuch wert. Über­ra­schen­der­wei­se befin­det sich im chi­ne­si­schen Vier­tel die Jum­mah-Moschee, das reli­giö­se Zen­trum der 200.000 Mau­ri­tia­ner isla­mi­schen Glau­bens.

Die lan­gen Sand­strän­de ent­lang der Süd­west­küs­te sind sehr ein­la­dend. Ein kur­zer Abste­cher nach Flic en Flac, um die brei­ten Strän­de in der lau­en Lagu­ne zu erkun­den, lohnt sich. Es ist eine wei­te­re, noch über­schau­ba­re Tou­ris­ten­re­gi­on auf Mau­ri­ti­us. Hier haben wir das Glück, der Son­nen­fins­ter­nis (zumin­dest 80%) zuzu­se­hen. Die Son­ne glich einer Bana­ne.

Im wei­ter nord­west­lich gele­ge­nen Case­la Bird Parksind 1.500 Vögel (150 Arten) zu sehen. Es ist ein sehr schön gele­ge­ner und ange­leg­ter Park. Auch Ben­ga­li­sche Tiger, Strau­ße, Wal­la­bies, Rie­sen­schild­krö­ten, Affen und vie­les mehr sind zu bewun­dern. Auch die vom Aus­ster­ben bedroh­te mau­ri­tia­ni­sche Pink Pigeon (Rosa Tau­be) ist zu sehen.

Die Baie du Tama­rin ist ein Para­dies für Sur­fer und Wel­len­rei­ter. Durch die vor­ge­la­ger­ten Koral­len­rif­fe und die trich­ter­för­mi­ge Bucht rol­len rie­si­ge Wel­len her­ein. In Tama­rin dient eine rie­si­ge Flä­che der Salz­ge­win­nung. Auf­grund der extrem nied­ri­gen Nie­der­schlags­men­gen ist die Küs­te für die Anla­ge von Ver­duns­tungs­be­cken ide­al. Auf dem groß­zü­gi­gen Gelän­de tür­men sich meter­ho­he Salz­ber­ge.

Anke Schlin­ge­mann und Det­lef Häl­k­er