Seit ihrem Urlaub 2001 ist Anke Schlinge­mann ein großer Mauritius-Fan. In ihrem aus­führlichen Reise­bericht malt sie uns ein ehrliches und faszinieren­des Bild von ihrer Reise und ver­mit­telt Vor­freude auf den eige­nen Besuch. Wun­der­bar geschrieben mit vie­len Tipps und Anregungen.

Mau­ri­tius — Insel am Wen­dekreis des Steinbocks

All­ge­meines

Im indis­chen Ozean, ca. 900 km östlich von Mada­gaskar liegt zwis­chen dem 20. und 21. Bre­it­en­grad die Insel­gruppe der Repub­lik Mau­ri­tius. Mit 1865 qkm (ca. 64 km lang und 47 km breit) ist Mau­ri­tius –obwohl touris­tisch weiter erschlossen– um etwa 30 % kleiner als La Reunion.

Mit der Inbe­sitz­nahme durch Nieder­län­der wurde 1638 auf Mau­ri­tius die Plan­ta­gen­wirtschaft und damit ver­bun­den die Sklaverei einge­führt. Die benötigten Arbeit­skräfte wur­den auf den Sklaven­märk­ten von Mosam­bique, San­si­bar und den Komoren gekauft. Im 18. Jh. übernah­men die Fran­zosen die Kolonie. Mit der Übernahme der Ver­wal­tung durch die britis­che Krone und die Abschaf­fung der Sklaverei wur­den als Ersatz indis­che Lohnar­beiter nach Mau­ri­tius gebracht. Die englis­che Herrschaft währte von 1810 bis zur Unab­hängigkeit 1968. 1992 wurde die Repub­lik Mau­ri­tius gegründet.

Rund 70 % der rund 1,1 Mio. Ein­wohner ist indis­cher Abstam­mung und gehört überwiegend dem Hin­duis­mus sowie zu einem kleinen Teil dem Islam an. Die Kre­olen (ca. 300.000) — Nachkom­men europäis­cher und afrikanis­cher Ein­wan­derer — sowie die Fran­co­mau­ri­tier (ca. 20.000) sind römisch-katholisch. Die Mau­ri­tier chi­ne­sis­cher Herkunft (ca. 30.000) sind Buddhisten.

Neben der Amtssprache Englisch wird auf Mau­ri­tius Cre­ole –ein vom Franzö­sis­chen abstam­mendes Idiom– gesprochen. Franzö­sisch gilt als Sprache der franzö­sis­chen Oberschicht.

Das Klima auf der Insel ist sehr unter­schiedlich. Die flache Nord­spitze ist rege­n­arm wohinge­gen die höheren Regio­nen und der Süden häu­fig von Regen­wolken einge­hüllt sind. Das ganze Jahr über weht eine gle­ich­mäßige Brise aus Südosten. In den Monaten Jan­uar bis März wird der Indis­che Ozean von Zyk­lo­nen heimge­sucht. Der mau­ri­tian­is­che Win­ter mit Tagestem­per­a­turen von 25 Grad Cel­sius ist Neben­sai­son und stellt sich als äußerst angenehme Reisezeit dar, zumal die tro­pis­chen Nieder­schläge im Juni wesentlich geringer sind als in der Haupt­sai­son. Einige Eingewöh­nungszeit bedarf es zugegeben­er­maßen, in Deutsch­land die sich annäh­ern­den läng­sten Tage genossen zu haben und die Tage­sak­tiv­itäten nun auf die Zeit von 6:00 bis 18:00 Uhr (mau­ri­tian­is­cher Som­mer: 5:00 bis 19:00 Uhr) zu beschränken. An der stür­mis­chen Ostküste in Trou d’Eau Douce ver­brin­gen wir die lauen Win­ter­abende bei 20 Grad Cel­sius mit einem Sweat­shirt auf dem Apparte­ment– Balkon und genießen den Blick aufs Meer.

Mau­ri­tius ist fast kom­plett von Koral­len­rif­fen umgeben, die die Wucht der Bran­dung Hun­derte von Metern vor der Küste brechen und seichte Lagunen bilden. Ursprünglich war Mau­ri­tius von dichtem tro­pis­chen Regen­wald bewach­sen, in dem sich riesige Harthölzer von her­vor­ra­gen­der Qual­ität befan­den. Lei­der wurde Raub­bau mit Ein­tr­e­f­fen der Nieder­län­der auf Mau­ri­tius betrieben. Nach­dem die alten Eben­hölzer abge­holzt waren, pflanzte man Nutzhölzer und Zierpflanzen, die aus Indien, Indone­sien, Kenia, Mada­gaskar und anderen afrikanis­chen Län­dern stammten. Die meis­ten Gewächse, die heute auf Mau­ri­tius zu finden sind, sind einge­führt wor­den. 4 % der Land­fläche ste­hen mit­tler­weile unter Naturschutz. In den Nation­al­parks ver­sucht man die ursprüngliche Veg­e­ta­tion zu erhal­ten und aufzuforsten.

Etwa 50 % der Gesam­to­ber­fläche (80 % der Nutzfläche) von Mau­ri­tius wird von Zuck­er­rohr, dem wichtig­sten Devisen­bringer, bedeckt –auch weil diese Pflanze den Zyk­lo­nen stand­hält. Weit­ere Devisen wer­den durch die Fab­rika­tion von Tex­tilien und den Touris­mus erbracht. Die Arbeit­slosen­quote liegt bei nur 2,5%. Der Großteil der benötigten Waren muss importiert wer­den. Ger­ade mal der Kartof­fe­lan­bau sowie einige andere Gemüs­esorten und Tee reicht mit­tler­weile für die mau­ri­tian­is­che Bevölkerung. Auch die Geflügelzucht ist erfol­gre­ich, wohinge­gen der Fis­chfang ger­ade ein­mal ein Fün­f­tel des Bedarfs deckt. Nahezu ein Vier­tel des Gesamtim­ports besteht aus Nahrungsmit­teln, sogar das Grund­nahrungsmit­tel Reis sowie Milch und Mehl müssen teuer importiert werden.

Unterkunft: Wir haben uns für ein Apparte­ment in Trou d’Eau Douce, im windi­gen Osten von Mau­ri­tius gele­gen, entsch­ieden. Das Apparte­ment, das wir über das Inter­net gebucht haben, ist mal wieder eine äußerst pos­i­tive Überraschung. Die aus­ge­priese­nen 70 qm erscheinen uns wesentlich größer. Es ist nett und prak­tik­a­bel ein­gerichtet, die zwei Balkone –einer für das son­nige Früh­stück, einer für den plätsch­ern­den Meerblick– sind genial.

Der Lebens­mit­teleinkauf stellt sich allerd­ings als müh­selig her­aus, da es in Trou d’Eau Douce nur kleine “Tante Emma”-Läden gibt, die alle in etwa das Gle­iche zu bieten haben. An frische Milch­pro­dukte, Back­waren, Fleisch oder Fisch ist nicht zu denken. Dafür stapeln sich Kon­ser­ven­dosen in den Regalen. Alle uns bekan­nten Pro­dukte scheinen einen dreifachen Touri– Auf­schlag zu haben. Zum Glück finden wir noch eine kleine Gemüseauswahl –und natür­lich her­rlich leckere Papayas und Ananas– an einem Gemüs­e­s­tand. Einen größeren Super­markt gibt es in Grand Baie –die Preise sind dem touris­tisch stark erschlosse­nen Nor­den der Insel angepasst. Ver­hungern mussten wir glück­licher­weise nicht, denn in Trou d’Eau Douce gibt es bei Chez Tino — gute kre­olis­che Haus­man­nskost zu gün­sti­gen Preisen.

Aut­o­fahren auf Mau­ri­tius ist eine wahre Her­aus­forderung. Abge­se­hen davon, dass ein Miet­wa­gen der kle­in­sten Kat­e­gorie (der vorher nie gehörten ver­mut­lich malais­chen Marke Kan­cil) für nor­mal­wüch­sige Europäer eine Zumu­tung ist (da sich der Fahrersitz nur sehr eingeschränkt nach hin­ten schieben lässt, sitzt man mitunter wie ein “Affe auf einem Schleif­stein” hin­ter dem Lenkrad) herrscht auf Mau­ri­tius Linksverkehr. Laut unserem Reise­führer gibt es (nur) 100.000 Fahrzeuge auf Mau­ri­tius — diese scheinen jedoch ständig im Ein­satz zu sein oder ste­hen park­end an der schmalen Haupt­strasse. Gehsteige gibt es so gut wie keine, so dass die schmalen Strassen zusät­zlich von der ein­heimis­chen Bevölkerung genutzt wer­den. Bei einem Schwätzchen auf der Strasse scheinen die vor­beifahren­den Autos nicht zu stören. Neben schlechten Straßen­zustän­den fehlen auch die hals­brecherisch fahren­den Motor­roller nicht. Ohne Hupe (übrigens das erste, was uns vom Miet­wa­gen­ver­lei­her gezeigt wurde) sollte man sich erst gar nicht hin­ter das Lenkrad set­zen. Zu Bemän­geln ist eben­falls die mehr als unzure­ichende Beschilderung. Wenn es Schilder gibt, sind diese in der Regel verblichen, ver­steckt oder schlichtweg irreführend. Es gibt zwar nicht sehr viele Straßen auf Mau­ri­tius, den­noch sind diese auf der Karte des Miet­wa­gen­ver­lei­hers nicht immer ganz kor­rekt eingeze­ich­net. Also — eine wahre Herausforderung!

Trotz­dem möchten wir diese Fahrten nicht mis­sen. Ständig fahren wir über schmale Straßen, die von bei­den Seiten von bis zu 2,5 m hohem Zuck­er­rohr eingezäunt sind. Wer­den die Blüten des Zuck­er­rohrs von der Sonne anges­trahlt, so leuchten sie sil­bern. Oft­mals kom­men uns Fahrrad– oder Roller-Fahrer ent­ge­gen (oder müssen überholt wer­den), die mit Zuck­er­rohr hoch beladen sind.

Sta­tio­nen unserer Rundreise

Der Nor­den: Botanis­cher Garten Pam­ple­mousses — Petit Gamin — Tri­o­let — Trou aux Biches — Maheswarnath-Tempel — Grand Baie

Der Botanis­che Garten von Pam­ple­mousses gehört zurecht zu den High­lights von Mau­ri­tius. Der Ein­gang wird von einem kun­stvollen schmiedeeis­er­nen Tor geschmückt, das 1862 eigens nach Lon­don geschafft und dort auf der Weltausstel­lung aus­geze­ich­net wurde. Auf 93 ha findet man tro­pis­che Pflanzen aus Indien, China, Philip­pinen. Die Seerose (Vic­to­ria ama­zon­ica) ist sehr beein­druck­end. Ihre Blät­ter mit bis zu 1 Meter Durchmesser kön­nen ange­blich sogar ein Baby tra­gen. Der Park gehört mit seinen über 500 veschiede­nen Pflanzen zu den arten­re­ich­sten tro­pis­chen Gärten auf der Erde. Allein 80 Pal­me­narten –nahezu alle existieren­den– sind hier zu sehen. In der Park­mitte steht das nicht zu besichti­gende Schlöss­chen Mon Plaisir, das unter Denkmalschutz steht. Auf dem Gelände gibt es eben­falls ein Gehege mit Riesen­schild­kröten, die von der Insel Aldabra stammen.

Dem Hauptein­gang gegenüber befindet sich die älteste Kirche von Mau­ri­tius St-Francois d’Assisi, die 1756 erbaut wurde. Voller Überraschung ent­decken wir hin­ter der Kirche das “Cafe Vienna”. Im Garten des Cafes genießen wir einen aus­geze­ich­netes Stück Kuchen.

Auf dem nahegele­ge­nen Küsten­ab­schnitt zwis­chen Petit Gamin und Trou aux Biches findet man schöne lange Sand­strände. Die an den Strän­den für vertret­bare Preise ange­botene Fahrt mit einem Glasbottom-Boot lohnt sich. Während der ein­stündi­gen Fahrt zum Riff sieht man schöne Korallen und viele — manch­mal auch far­ben­frohe — Fische.

Der Ort Tri­o­let wird fast auss­chließlich von Hin­dus bewohnt und ist ein Zen­trum des hin­duis­tisch religiösen Lebens. An der Zufahrtsstrasse von Trou aux Biches liegt der Maheswarnath-Tempel — die größte hin­duis­tis­che Tem­pelan­lage auf Mau­ri­tius. Um den Ende des 19. Jh. errichteten Haupt­tem­pel ent­standen kleine far­ben­prächtige üppig deko­ri­erte Schreine, die Vishnu, Shiva, Krishna, Gane­sha und anderen Got­theiten gewid­met sind.

Wer sich die Touri-Centren anse­hen möchte kann einen Abstecher nach Grand Baie machen.

Der Osten: Trou d‘Eau Douce — Ile aux Cerfs — Ile de l‘Est — Moun­tains Bam­bous — Domain des Grands Bois / Domain de Casseur — Domain d’Ylang Ylang — Le Val

Trou d‘Eau Douce ist ein kleines, eher ver­schlafen wirk­endes Städtchen an einer schö­nen Lagune gele­gen. Von Trou d‘Eau Douce aus kann man sich für 100 Rupien mit einem Boot zur vorge­lagerten Insel Ile aux Cerfs überset­zen lassen. Die Überfahrt dauert –je nach Tide– ca. 20–30 Minuten. Dicht unter der Wasser­ober­fläche sind vere­inzelt Korallen zu sehen, so dass das Boot streck­en­weise sehr vor­sichtig manövri­ert wer­den muss.

Zur Nach­barin­sel Ile de l‘Est kann man schwim­men, die bei­den Inseln tren­nen nur wenige Meter voneinan­der, allerd­ings ist die Strö­mung hier sehr stark und natür­lich gibt es Korallen. Die Insel ist ein Bade­paradies. Wer den Rum­mel an den Boot­san­legestellen und den vom Luxu­shotel Toures­sok betriebe­nen Gas­tronomiebe­trieben mei­den möchte, der sollte an der Ost­seite der Insel lang­wan­dern und kann her­rliche ein­same Strände finden und nach schö­nen Muscheln suchen. Eine Gesam­tum­run­dung gelingt man­grovenbe­d­ingt lei­der nicht, aber am Ende des bege­hbaren Teils warten geschäft­stüchtige Skip­per auf die müden Touris­ten, um sie für einen überhöhten Preis zum Aus­gangspunkt zurückzuschippern.

Auf der Küsten­straße weiter nach Osten gelangt man über einen Schot­ter­weg durch Zuck­er­rohrplan­ta­gen zu den Moun­tains Bam­bous. Die Domain des Grands Bois, auch Domain de Casseur genannt ist ein 2.000 ha großer auf 300 bis 500 m Höhe liegen­der Natur­park. Der Park ist ein Jagd– und Wan­derge­biet. Ideal auch für 4WD-Touren. Von dem Panorama-Restaurant hat man einen phan­tastis­chen Blick auf die Lagune.

Ein Abstecher zur Domain d’Ylang Ylang ist auf jeden Fall lohnenswert. Es gibt dort eine kleine Des­til­lerie, in der auf his­torisch anmu­ten­den Gerätschaften ver­schiedene Par­fümöle –u.a. das sel­tene und kost­bare Ylang Ylang-Öl — hergestellt wer­den. Während einer kurzen Führung wird der müh­same Pro­duk­tion­sprozeß erk­lärt. 15.000 Ylang Ylang-Bäume wur­den für die Parfümöl-Produktion gepflanzt. Der Gang durch die angren­zen­den Pflanzun­gen ist sehr inter­es­sant. Beispiel­sweise ent­decken wir einen Zimt­baum und wis­sen nun, dass Zimt von den getrock­neten Blät­tern dieses Baumes hergestellt wird.

Ein weit­eres Natur­erleb­nis bietet Le Val. In diesem Natur­park sind neben einem Leop­ar­den, Riesen­schild­kröten und Affen auch die unter­schiedich­sten Pflanzen zu sehen. Außer­dem gibt es riesige Anthurien-Gewächshäuser, Papaya-Bäume, Kaffee-Bäume, Kresse­felder, Bananen-Plantagen, Fischzucht-Becken und vieles mehr.

Der Süden: Mahe­bourg — Blue Bay — Ile aux Aigrette — Le Souf­fleur — Cap Le Gris Gris — La Roche Qui Pleure — Le Morne Bra­bant — Ile aux Ben­i­tiers — Piton de la Petite Riv­iere Noire — Black River Gorges National Park — Chamarel-Wasserfälle — Ter­res des Couleurs

Die ehe­ma­lige Hafen­stadt Mahe­bourg hat weitest­ge­hend an Bedeu­tung ver­loren. Den­noch lohnt sich ein kleiner Bum­mel durch die Stadt, in der uns fast auss­chließlich Ein­heimis­che begeg­nen. Die Zufahrt führt über eine Brücke, von der sich in beide Rich­tun­gen schöne Aus­blicke bieten.

Südlich von Mahe­bourg führt die Küsten­straße zur Blue Bay mit schö­nen –aber schmalen– Sand­strän­den. Die vorge­lagerte Insel Ile aux Aigrette steht unter Naturschutz. An einem win­ter­lichen Son­ntag sind hier kaum Touris­ten, dafür aber viele ein­heimis­che Fam­i­lien, um bei einem kühlen Bad oder Pick­nick das Leben zu genießen. Der Flughafen ist ganz in der Nähe. Mit etwas Glück kann man eine Boing 747, die direkt über der Lagune abzuheben scheint, starten sehen.

Ein sehr schönes Naturschaus­piel ist an den Felsen von Le Souf­fleur zu bewun­dern. Die Bran­dung ist so stark, dass sich meter­hohe Wasser­fontä­nen an den schwarzen Lavafelsen bilden.

Einen weit­eren, aber etwas weniger spek­takulären Aus­sicht­spunkt findet man am Cap Le Gris Gris und dem Felsen La Roche Qui Pleure, dem weinen­den Felsen.

Der Rochester Fall, den man von Suri­nam erre­icht, ist zwar eben­falls nicht beson­ders spek­takulär, mit etwas Glück findet man jedoch einen Guide, der einem zum besten Blick durch ein Zuck­er­rohrfeld führt. Dabei wird einem Zuck­er­rohrsaft gezeigt und zum Trinken gere­icht. Auch die Vor­führung der Reak­tion eines Mimosen­gewäch­ses ist im (selb­stver­ständlich frei­willig zu entrich­t­en­den) Preis enthalten.

Die wenig touris­tisch erschlossene Küsten­strecke (der Süden ist feuchter und reg­ner­ischer) bietet unter­schiedliche Ein­blicke. Es gibt schöne, weiße Sand­strände und schroffe Fels­for­ma­tio­nen. Der Blick auf Le Morne Bra­bant, ein fast 600 m hoher Felsen auf der süd­west­lichen Hal­binsel ist spek­takulär. Ein kurzer Abstecher auf die Hal­binsel lohnt sich. Es gibt schöne Sand­strände, die vom Pro­fil des Le Morne einger­ahmt wer­den. Außer­dem kon­nten wir dem Auf­bau einer neuen Hote­lan­lage bei­wohnen und zuse­hen, wie Dächer mit Kokospal­men­wedel gedeckt, Son­nen­schirme geflochten und Pal­men ver­setzt wur­den. Man kon­nte, da ein kleiner Bere­ich schon ziem­lich fer­tig war, schon erah­nen, dass es ein­mal eine ganz nette Hote­lan­lage wer­den würde.

Fährt man die Küsten­strasse weiter Rich­tung Nor­den hat man einen schö­nen Blick auf die Ile aux Ben­i­tiers und ins Lan­desin­nere auf den Piton de la Petite Riv­iere Noire (828 m) — den höch­sten Gipfel auf Mauritius.

Bei Grand Casa Noyale geht die Straße zum Black River Gorges National Park ab. Zunächst erre­icht man die Chamarel-Wasserfälle, die fast 90 m tief hin­ab­stürzen. Etwas weiter liegt Ter­res des Couleurs — ein von Wis­senschaftlern nicht zu erk­lären­des Naturschaus­piel. Ein veg­e­ta­tion­sloses Stück Erde, dass merk­würdig zerk­lüftet ist und in ver­schiede­nen Tönen von fast Schwarz über Ocker bis hin zu Gelb und Rot schimmert.

Im Panorama-Restaurant “La Varangue sur Morne” kann man bei touris­tis­chen Preisen den schö­nen Aus­blick auf den Le Morne Bra­band und die Lagunen genießen.

Ein Blick in die Schlucht des Black River und auf die Alexandra-Wasserfälle bietet sich von der Aussichttsplattform.

Der Black River Gorges National Park steht unter Naturschutz. Ursprünglicher Urwald hat sich hier erhalten.

Unsere von Le Petrin aus geplante –und für diesen fast wolken­freien Tag opti­male Wan­derung– ver­läuft auf­grund (wie kön­nte es such anders sein) fehlen­der Auss­childerun­gen eher unbe­friedi­gend. Ein kurzer hals­brecherischer Abstecher in den ursprünglichen Wald gibt uns einen kleinen Ein­blick in die vielfältige Vegetation.

Einen kurzen Halt machen wir noch Grande Bassin. An diesem heili­gen See (da einer Sage nach Gangeswasser hier­her trans­portiert wor­den sei) der Hin­dus finden im Feb­ruar und März Zer­e­monien statt, die wir nur schw­er­lich erah­nen können.

Der Westen: Curepipe — Port Louis — Casela Bird Park — Baie du Tamarin

Aus dem Osten kom­mend fährt man am schnell­sten über Quartier Mil­i­taire in den Westen. Bei einem kleinen Abstecher nach Curepipe kann man den erlosch­enen 85 m tiefen Krater mit einem Durchmesser von 200 m besichti­gen. Wer allerd­ings einen spek­takulären Vulkankrater erwartet, ist hier falsch aufge­hoben. Der Krater wirkt eher wie ein grüner, kleiner Talkessel. Ange­blich ist der Krater mit dem noch aktiven Piton de la Four­naise auf Reunion ver­bun­den. Sollte dieser ein­mal ver­stopfen, kön­nte es auch auf Mau­ri­tius wieder zu Vulka­naus­brüchen kom­men (allerd­ings erst in hun­derten von Jahren). Schön ist der Aus­blick von der Aus­sicht­splat­tform auf die Westküste.

Die ange­blich an Hong Kong erin­nernde Haupt­stadt Port Louis liegt, von Bergen einger­ahmt, an der West­küste. 15 % der Bevölkerung leben in dieser kon­trastre­ichen Stadt. Einige wenige, mod­erne Hochhäuser sind umgeben von zum Teil sehr stark ver­fal­l­enen kre­olis­chen Häusern.
Auch wenn es wenige Bau­denkmäler gibt, sollte man einen kurzen Stadtrundgang machen, um einen Ein­druck vom Leben der Ein­heimis­chen zu gewin­nen. Ein Parkhaus ist an der Cau­dan Water­front zu finden. Das Gebäude erin­nert an einen ehe­ma­li­gen Spe­icher — die spi­ralför­mi­gen Rutschen (ver­mut­lich um Ware direkt auf einen darun­ter­ste­hen­den LKW zu laden) unter­stre­ichen diesen Ein­druck.
Von der neu angelegten Cau­dan Water­front gelangt man durch eine Unter­führung in den leb­haften Teil der Stadt auf der anderen Straßen­seite. Die Stadt ist angere­ichert mit vie­len kleinen Läden, die zum größten Teil wenig ein­ladend sind.
In den Mark­thallen bietet sich ein tur­bu­lentes Bild. Ange­boten wer­den Gemüse– und Obst­sorten, Gewürze, Korb­waren, Stoffe, Tex­tilien und sehr viel Schnickschnack, der uns schon bei anderen Touri-Sites begeg­net ist. In der Neben­sai­son sind zwar kaum Touris­ten dort — aber man scheint darauf bestens vor­bere­itet zu sein. Lei­der wird man natür­lich auch direkt als Tourist erkannt und ständig dazu ani­miert, die ange­bote­nen Waren näher zu betra­chten.
Das angren­zende Chi­ne­sen­vier­tel ist eben­falls einen Besuch wert. Überraschen­der­weise befindet sich im chi­ne­sis­chen Vier­tel die Jummah-Moschee, das religiöse Zen­trum der 200.000 Mau­ri­tianer islamis­chen Glaubens.

Die lan­gen Sand­strände ent­lang der Süd­west­küste sind sehr ein­ladend. Ein kurzer Abstecher nach Flic en Flac, um die bre­iten Strände in der lauen Lagune zu erkun­den, lohnt sich. Es ist eine weit­ere, noch überschaubare Touris­ten­re­gion auf Mau­ri­tius. Hier haben wir das Glück, der Son­nen­fin­ster­nis (zumin­d­est 80%) zuzuse­hen. Die Sonne glich einer Banane.

Im weiter nord­west­lich gele­ge­nen Casela Bird Parksind 1.500 Vögel (150 Arten) zu sehen. Es ist ein sehr schön gele­gener und angelegter Park. Auch Ben­galis­che Tiger, Strauße, Wal­la­bies, Riesen­schild­kröten, Affen und vieles mehr sind zu bewun­dern. Auch die vom Ausster­ben bedro­hte mau­ri­tian­is­che Pink Pigeon (Rosa Taube) ist zu sehen.

Die Baie du Tamarin ist ein Paradies für Surfer und Wellen­re­iter. Durch die vorge­lagerten Koral­len­riffe und die trichter­för­mige Bucht rollen riesige Wellen herein. In Tamarin dient eine riesige Fläche der Salzgewin­nung. Auf­grund der extrem niedri­gen Nieder­schlags­men­gen ist die Küste für die Anlage von Ver­dun­stungs­becken ideal. Auf dem großzügi­gen Gelände tür­men sich meter­hohe Salzberge.

Anke Schlinge­mann und Detlef Hälker